CO2-reduzierend, wärmeerzeugend und luftreinigend
Bioreaktorfassade, schonmal gehört? Die Idee basiert auf Algen, präziser: Mikroalgen. Diese werden in plattenförmigen Glaselementen an Hausfassaden gezüchtet, in denen durch Photosynthese und Solarthermie sowohl Wärme als auch Biomasse produziert werden. Der technische Aufbau ist komplex: Die Algen müssen mit Nährstoffen versorgt werden, vor allem mit CO2, das aus der Gastherme des Hauses entnommen werden kann. Auch muss das Medium kontinuierlich mit Luft durchströmt werden. Das enorme Wachstum – zehnmal schneller als jede andere Pflanze – sorgt dafür, dass die entstandene Biomasse regelmäßig abgeschöpft werden kann. Sie kann als regenerativer Brennstoff zur Energieerzeugung verwendet werden. Gleichzeitig funktioniert die Anlage auch als Wärmespeicher nach dem solarthermischen Prinzip und lässt sich per Wärmetauscher abschöpfen. Und der ästhetische Aspekt? Je nach Sonneneinstrahlung ändert sich die Algenkonzentration, von durchscheinend bis zu einem opaken Giftgrün. Wem das alles zu aufwändig erscheint, dem sei ein Forschungsprojekt der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung empfohlen. Hier werden Betonfassaden entwickelt, die einen Algenbiofilm besitzen. Das Ziel: Ähnliche Effekte wie Grünpflanzen an Fassaden, etwa Feinstaubbindung und Kühlung, bei deutlich geringerem Pflegeaufwand. Erste Prototypen sind in der Entwicklung.
